Alle kennen das berühmte Lied: „Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Darling…“
Doch was, wenn genau das Gegenteil wahr ist?
Im Interview mit Nadine Frey, Beziehungs- und Paarcoach sowie Liebeskummer-Expertin, stellt Katrin genau diese provokante These auf die Probe. Nadine erklärt, warum Liebeskummer zwar schmerzt, aber mit Achtsamkeit und bewusster Persönlichkeitsentwicklung zum entscheidenden Wendepunkt im Leben werden kann.
„Liebeskummer lohnt sich nicht“ – oder ist das ein Missverständnis?
Katrin: Nadine, die meisten Menschen würden sofort zustimmen: Liebeskummer lohnt sich wirklich nicht. Er fühlt sich schrecklich an, bringt einen völlig aus der Bahn. Warum stellst du die These auf, dass er sich doch lohnt?
Nadine: Du hast völlig recht – Liebeskummer ist für uns das Schlimmste, was wir erleben. Verlassen zu werden, selbst jemanden verlassen zu müssen oder einen geliebten Menschen auf andere Weise zu verlieren, kann uns in eine tiefe Krise stürzen. Manche entwickeln sogar das Broken Heart Syndrom – also echte, körperliche Herzschmerzen. In diesem Sinn lohnt sich das Leiden natürlich nicht.
Aber: Wir vergessen oft, dass dieser Schmerz eine Funktion hat. Unsere natürliche Intelligenz sorgt dafür, dass wir durch den Kummer loslassen können. Ohne den Schmerz würden wir innerlich an der Person festhalten, die nicht mehr da ist. Erst wenn wir bereit sind, den Kummer achtsam zuzulassen, können wir später wieder offen werden für wahre neue Nähe und Liebe.
Warum Ablenkung den Liebeskummer verlängert
Katrin: Viele wollen genau diesen Schmerz ja sofort loswerden. Sie stürzen sich in Ablenkungen – bedeutungslose Dates, viel Arbeit, Alkohol oder endloses Scrollen am Handy. Hilft das nicht wenigstens ein bisschen?
Nadine: Es hilft kurzfristig, aber es ist keine Lösung. Wir legen nur eine Schicht Zuckerguss über die Wunde. Innerlich bleibt der Liebeskummer bestehen. Und das Problem: Was wir verdrängen, holt uns schneller ein, als uns lieb ist.
Liebeskummer bewusst zu fühlen bedeutet, achtsam mit uns selbst zu sein. Wenn wir stattdessen fliehen, bleibt die Verletzung bestehen. Und in der nächsten Beziehung zeigen sich die alten Verletzungen und Muster wieder. Wir bauen Mauern auf, werden härter, misstrauischer – und genau das verhindert neue Liebe.
Achtsamkeit im Liebeskummer: Vom Grübeln ins Spüren
„Wenn Gedanken kreisen, hilft Körperfokus.“ Danach 3 Fragen als Check: Schlaf? Appetit? Druck in Brust/Bauch? — leitet zum Körper über.
Katrin: Viele Menschen sagen: „Ich kann nicht aufhören, nachzudenken.“ Sie grübeln, stellen sich ständig Fragen: Was habe ich falsch gemacht? Warum schon wieder ich? Hätte ich anders handeln sollen? – Wie kann man da überhaupt achtsam sein?
Nadine: Das ist der Punkt. Grübeln hält uns im Leid gefangen. Diese Gedanken haben zwar ihre Berechtigung – aber sie führen nicht zur Heilung. Sie reissen uns immer wieder hinein in Verzweiflung, Leid und Ohnmacht.
Heilung geschieht, wenn wir vom Kopf in den Körper kommen.
Konkrete Übung: Wie du den Schmerz achtsam spüren kannst
Katrin: Kannst du das noch etwas greifbarer machen? Viele fragen sich bestimmt: Wie genau mache ich das, ohne mich in dem Schmerz zu verlieren?
Nadine: Ein achtsamer Weg ist z. B., sich einen geschützten Rahmen zu schaffen. Dann legst du deine Hand an die Stelle, wo der Schmerz im Körper spürbar ist – vielleicht am Herzen, im Bauch oder im Kopf. Du atmest hinein, nimmst dir Zeit, lässt die Gefühle da sein und schenkst dir Mitgefühl.
Du kannst auch mit dem Gefühl sprechen: „Ich sehe dich, und ich verstehe dich so gut. Aber jetzt bist du nicht mehr alleine, ich bin für dich da. Ich fühle mit dir. Ich anerkenne, dass du da bist. Du darfst traurig sein.“ – ein bisschen so, als würdest du mit einem kleinen traurigen Kind sprechen.
Das ist ein ganz bewusster Schritt: nicht wegzuschieben, sondern dich dir selbst zuzuwenden. Genau hier beginnt wahre Verarbeitung.
Es geht dabei nicht darum, den Schmerz grösser zu machen, sondern achtsam Kontakt aufzunehmen. Und dann kannst du dir selbst Mitgefühl schenken: „Es ist okay, dass ich gerade leide. Ich bin für mich da.“
- Rahmen schaffen (2 Min.): Ruhiger Ort, Timer 8–10 Min. Bewusster Schritt: nicht wegzuschieben, sondern dich dir selbst zuzuwenden. Genau hier beginnt wahre Verarbeitung.
- Hand auf den Schmerz (1 Min.): Herz/Bauch/Kopf – dort Kontakt aufnehmen.
- Atmen (3–5 Min.): Ruhig ein/aus; beim Ausatmen: „Es darf da sein.“ Wichtig: Es geht nicht darum, den Schmerz grösser zu machen, sondern achtsam Kontakt aufzunehmen.
- Selbstmitgefühl (2 Min.): Du kannst auch mit dem Gefühl sprechen: „Ich sehe dich, und ich verstehe dich so gut. Aber jetzt bist du nicht mehr alleine, ich bin für dich da. Ich fühle mit dir. Ich anerkenne, dass du da bist. Du darfst traurig sein.“ Und dir selbst sagen: „Es ist okay, dass ich gerade leide. Ich bin für mich da.“
- Abschluss (1 Min.): 1–2 Sätze ins Journal: „Was habe ich jetzt gebraucht?“
So entsteht Schritt für Schritt Verarbeitung.
Mit Achtsamkeit raus aus dem Gedankenkarussell
Katrin: Und wenn ich trotzdem immer wieder ins Gedankenkarussell einsteige?
Nadine: Dann hilft es, den Körper einzubeziehen. Eine meiner Lieblingsübungen ist sehr einfach – und auch ein bisschen lustig: Stell dich hin, mach Musik an und schüttle deinen ganzen Körper. Ja, sogar den Po! Durch dieses bewusste Schütteln beruhigt sich dein Nervensystem, du kommst sofort raus aus den Gedanken und wieder ins Hier und Jetzt. Denn du kannst nicht grübeln und mit dem Po wackeln gleichzeitig! Probier es mal aus.
Das wirkt wie ein kleiner Reset. Und gerade im Liebeskummer brauchen wir diese Breaks, sonst dreht sich das Karussell endlos weiter.
Liebeskummer lohnt sich – wenn du ihn nutzt
Katrin: Wenn ich dir zuhöre, verstehe ich jetzt besser, was du meinst: Der Schmerz selbst lohnt sich, die Gedanken, das Darüber-Sprechen, sich vom Schmerz beherrschen lassen und die Endlosschlaufe von „Warum?“ absolut nicht. Aber der bewusste Umgang und eine nachhaltige Verarbeitung damit schon.
Nadine: Genau. Liebeskummer lohnt sich, wenn wir ihn achtsam verarbeiten. Wenn wir bereit sind, den Schmerz bewusst zu fühlen, ihn nicht wegzuschieben, dann verwandelt er sich in eine Kraftquelle. Er ermöglicht uns, wieder frei zu werden für neue Beziehungen – auf gesünderem, neutralem Boden.
Katrin: Das heisst, Liebeskummer ist wie ein Tor zur Heilung?
Nadine: Ja. Er zwingt uns, innezuhalten, hinzuschauen und uns selbst zu begegnen. Wer das wagt, kann gestärkt daraus hervorgehen. Und wenn es allein zu schwer ist, lohnt es sich, professionelle Unterstützung zu suchen. Denn niemand muss durch diesen Prozess allein gehen.
Fazit: Liebeskummer & Achtsamkeit als Schlüssel für neue Liebe
Liebeskummer schmerzt, keine Frage. Aber er ist auch eine Einladung. Mit Achtsamkeit und bewusster Verarbeitung verwandelt sich das Leid in Heilung. Wer den Schmerz bewusst spürt, annimmt, verarbeitet und dann fliessen und loslässt, macht den Weg frei für eine neue, gesunde Beziehung.
Oder wie Nadine Frey es sagt:
„Liebeskummer lohnt sich – wenn wir ihn achtsam nutzen, um unser Herz wieder zu öffnen für echte, erfüllende Liebe.“
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert Liebeskummer?
Individuell; mit Achtsamkeit & Körperarbeit oft spürbare Entlastung in Wochen statt Monaten.
Was hilft sofort gegen Grübeln?
Körper-Reset (Schütteln 2 Min.), Atemfokus, kurzer Spaziergang ohne Handy.
Soll ich mich ablenken?
Es hilft kurzfristig, aber es ist keine Lösung. Was wir verdrängen, holt uns schneller ein, als uns lieb ist.
Wie verarbeite ich Liebeskummer achtsam?
Gefühl benennen, im Körper verorten, atmen, Selbstmitgefühl, journaling.
Wann Hilfe holen?
Wenn Schlaf/Alltag massiv leiden, Dauerschmerz, Isolation oder Substanzkonsum zunimmt.
Dein nächster Schritt
Wenn du gerade mitten im Liebeskummer steckst und dir wünschst, diesen Schmerz endlich zu verarbeiten, dann darfst du dir Unterstützung holen.
In meinem Coaching begleite ich dich dabei, mit Achtsamkeit in den Kontakt mit deinen Gefühlen zu kommen, auch längst vergangene Schmerzen in deiner Biografie tiefgreifend zu verarbeiten – und so in eine tiefe Heilung zu gelangen. Du verstehst, und du wirst Schritt für Schritt gesund loslassen.
Lass uns über deine Situation sprechen. Wenn du bereit bist, wirklich etwas zu verändern, dir und deinem Innersten Raum für diesen Prozess zu geben und auch aktiv etwas dafür tun möchtest, dann buche dir ein erstes Gespräch:
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen – und genau darin liegt die grosse Chance: Deinen Liebeskummer zu nutzen, damit daraus etwas Neues, Starkes und Schönes entstehen kann.
Herzlichst und bis bald
Nadine

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